Pfadis aus St. Martin (Rendsburg) und St. Katharina gemeinsam zum Jamboree in Strasbourg

Vom 16. bis 23. Juli nahmen 24 Pfadfinder an einem internationalen Lager der französischen »Scouts et Guides de France« (SGDF) teil. Hier der Bericht eines Teilnehmers aus Rendsburg:

 

 

Wir starteten in St. Martin mit einem Reisesegen. Wir, das waren zu diesem Zeitpunkt drei Mitglieder der Pfadfinderstufe des Stammes Stern des Nordens und drei erwachsene Leiter (sowie ein Ersatzfahrer). Unser Weg führte uns mit dem Bonibus zunächst nach Pinneberg, wo sich unsere Gruppe vervollständigte. Jetzt waren wir 19 Kids und fünf Gruppenleiter. Der gemeinsame Reisesegen in der Kirche in Pinneberg bedeutete den offiziellen Beginn unseres Abenteuers – aufgeteilt auf mittlerweile drei Bonibusse ging es Richtung Süden, wo wir am Nachmittag unseren Zwischenhalt Heidelberg erreichten. Dort verbrachten wir einen gemeinsamen Kennenlernabend und übernachteten im dortigen Gemeindezentrum.

 

Am Morgen des Folgetages brachen wir auf, um gegen 14 Uhr wie geplant das Gelände des Jamboree in Strasbourg zu erreichen. Zu Fuß ging es vom Parkplatz auf das eigentliche Gelände, dessen Größe und Weitläufigkeit uns sofort beeindruckte. Der Weg zwischen Parkplatz und Lagerplatz musste mehrfach zurückgelegt werden, bis alles an Material und Gepäck dort war, wo es benötigt wurde.
Wir wurden einem von 25 Subcamps/Cités zugeteilt, dem Subcamp der Diözese Val de Marne mit dem klangvollen Namen Antoine de Saint Exupéry. Jede Diözese in Frankreich hatte für sich und Gäste eine eigene Stadt als Teil des Ganzen. Jede Stadt besaß ihre eigene Infrastruktur für bis zu 300 Teilnehmer: eine eigene Verwaltung, einen Sanitätsstützpunkt, Toiletten und Duschen, Ausgabestellen für die Verpflegung, Lagerplätze für Bau- und Feuerholz. Zentrale Orte ausserhalb der Subcamps waren die Veranstaltungsorte, die »Spiriarea« für Gebete und Rückzug, das Lagerkrankenhaus, das Fundbüro und vieles mehr. Kurze Zeit nach uns traf auch unsere französische Partnergruppe ein, neugierig und gut gelaunt begegneten sich die Teilnehmer, die von nun an fast alles zusammen unternehmen würden. Auf dem Plan stand zuerst die Errichtung der Zelte. Gesagt, getan, Mädchen und Jungen für sich, Leiterzelte, es wurde eng, aber der uns zugeteilte Platz sollte reichen. Nach einem Picknick mussten wir uns auch schon auf den Weg zur Eröffnungszeremonie in der Arena machen. Subcamp für Subcamp sammelte sich, um sich dann zumeist laut singend auf den Weg zu den Veranstaltungsstätten zu machen.
Ein fast komplett roter Lindwurm aus Pfadfinderhemden zog sich durch die Landschaft zum Versammlungsort. Rot wegen der Hemdfarbe der gastgebenden Altersstufe der katholischen Pfadfinder in Frankreich (SGDF), die 10 000 Franzosen waren gegenüber den restlichen 5 000 Teilnehmern aus 28 Ländern der Erde deutlich sichtbar in der Mehrheit. Mit Sammeln, Hin- und Zurück und der eigentlichen Veranstaltung waren wir bei den abendlichen Großveranstaltungen jeweils mindestens 3 Stunden unterwegs.

Die Stimmung in der Arena, dem Fußballstadion in Strasbourg, war großartig, die Bühnenprogramme und -shows modern und perfekt dargeboten. Wegen der oft fehlenden Übersetzung war es jedoch häufig für Nichtfranzosen schwierig, dem Programm zu folgen. Die Lagersongs, speziell für diese Veranstaltung, samt Choreographie waren der Renner.
Das Programm der folgenden Tage wurde durch einen Tornado in der zweiten Nacht mit dazugehörigem Unwetter und Evakuierung des gesamten Lagers (!) in eine große Veranstaltungshalle auf dem Gelände gehörig durcheinander gebracht. Das Lager wurde nahezu komplett zerstört, die Teilnehmer zumeist nur in Unterwäsche oder Schafanzug, dreckig und angeschlagen, aber bester Laune, haben mit gaaaanz viel Disziplin und Mut den Rest der Nacht in der Halle verbracht. Die große Frage war: Geht es weiter? Gegen Morgen kam die erlösende Durchsage: Es geht weiter, gemeinsam bauen wir alles wieder auf. So geschah es dann auch. Leider schloss sich wegen erneuter Unwetterwarnung eine zweite Nacht in der Halle an, die wiederum problemlos verlief. Die von uns angesetzte Reflexion zeigte, dass fast alle Teilnehmer diese Grenzerfahrung als ein großes Abenteuer erfahren hatten. Gott sei Dank gab es insgesamt nur 34 Verletzte, davon 19 Gruppenleiter, die unter Einsatz ihres Lebens ihre Kids retteten. Das Krisenmanagement und die Versorgung in der ersten Nacht waren vorbildlich.
Nach dem Wiederaufbau gestaltete sich die Organisation des Programms zunächst schwierig, da die gesamte Infrastruktur der Verwaltung in den Subcamps zerstört war und mit viel Improvisation kompensiert wurde. Für unsere Kids stand ein Tag außerhalb des Lagers in Strasbourg an, die nun in Kleingruppen die Stadt erkunden konnten.
Die Gruppenleiter waren entweder in das Programm der eigenen Gruppe eingebunden, hatten Zeit für das Programm für die Gruppenleiter, oder leiteten zusammen mit anderen Gruppenleitern Aktivitäten an. Dabei kam es im ganzen Lager zu vielen tollen Begegnungen, die oft aus dem Moment heraus entstanden.

Höhepunkte waren sicher die Großveranstaltungen in der Arena, wie zum Beispiel der Gottesdienst mit Bischof Jean-Pierre Grallet OFM, der mit seinen Taizé-Elementen und Firmung von zwölf französischen Pfadfinderinnen und Pfadfindern zeitweise eine »Gänsehaut-Atmosphäre« schuf. Die Closing-Zeremonie mit einer gigantischen Musik- und Lichtshow und die Workshopaktivitäten auf dem ganzen Gelände ermöglichten stets aufs Neue die Begegnung, das Kennenlernen anderer Menschen und Kulturen. Unser Leitungsteam hat übrigens auch einen Workshop, der sich mit den Deutschen Pfadfindern und ihren Spezialitäten beschäftigt, vorbereitet und erfolgreich durchgeführt. Unvergesslich wird sicherlich der Auftritt der Wikinger bleiben, einer anderen Aktion unseres Leitungsteams.
Die Begegnungen finden bei den Pfadfindern oft im Erkunden des Lagers statt, wobei viele Halstücher und oder Aufnäher getauscht wurden.
Nach einer Woche hieß es dann auch Abschied nehmen vom Lager und vielen neuen Freunden. Geschenke wurden überreicht, die Gruppe der Jugendlichen musste nicht lange überlegen, es wurde eine Einladung an den Partnerstamm St. Louis de Vincennes für das kommende Jahr ausgesprochen, welche die Franzosen begeistert annahmen.
Danach musste wieder abgebaut werden, was zuvor mit so viel Engagement aufgebaut worden war. Alles Gepäck und Material per pedes zurück zum Parkplatz.
Nach der Abfahrt gegen 13 Uhr erreichten wir Pinneberg noch vor Mitternacht. Eine letzte gemeinsame Nacht in Halstenbek, dann mussten wir auch hier Abschied nehmen. Wir hatten eine großartige Zeit miteinander, für viele sicher ein Erlebnis, das sie in ihrem Leben nicht vergessen werden. Viele Eindrücke bleiben unbeschreiblich und machen Appetit auf mehr, mehr (internationales) Pfadfinder-Leben.