Am Mittwoch vor Christi Himmelfahrt erreichten 59 Pfadfinder mit öffentlichen Verkehrsmitteln und zu Fuß ein mitten im Wald liegendes riesiges eingezäuntes Gelände mit Haus, Parkplatz, großen Wiesen, Scheune, Köhlerhütte, kleinem See und Wald.

Die Pfadfinder erkundeten das ­Gelände und entschieden sich für die unterschiedlichsten Plätze, an denen sie ihre Zelte aufbauten.

Da Mitbestimmung ein zentrales Element des Pfadfinderseins ist, beschlossen die Pfadfinder täglich die verschiedenen Programmpunkte. Im Laufe der drei Tage wurden Pflanzen bestimmt, Wanderungen und Schnitzeljagden mit und ohne GPS (Geocaching) durchgeführt, geschnitzt, sich geschminkt und verkleidet, im See oder in der Este im eiskaltem Wasser gebadet, häufig auf einer&xnbsp;Slackline über den See balanciert, ein&xnbsp;Hochsitz als Dank für den Vermieter des Geländes gebaut, Brot im selbst gebauten Ofen gebacken, aber auch immer wieder einfach nur »frei« gespielt, zum Beispiel Wikingerschach oder eine Runde »Werwolf«. Auch musste immer wieder Holz gespalten und gesägt werden, um das Feuer zu unterhalten, aber auch in der Hängematte oder auf der Seeterrasse ließ es sich hervorragend chillen.

Diese Seeterrasse kam an ihre Grenzen, als wir dort unseren Gottesdienst feiern wollten: Es knackte vernehmlich, und so wurde der Gottesdienst dann zurückverlegt auf die anliegende Wiese. Mitten im See hatten ein paar Pfadfinder ein selbstgebautes Kreuz aufgestellt, welches dem Gottesdienst am Ufer einen würdigen Rahmen gab.

Die Abende wurden am Feuer beendet unter Absingen bekannter Schlager in »Zela-Interpretation«, aber auch Besinnliches erklang durch den Wald, unterstrichen von drei Gitarren. Über dem Feuer verbrannte das Stockbrot, die Dämmerung brach herein und teilweise waren die Kleinen erleichtert, als es hieß: Ab in die Schlafsäcke (Zähneputzen nicht vergessen!). Der letzte Abend wurde eingeleitet durch ein original brasilianisches Churasco mit leckerem Salat. Dann folgten die Versprechensfeiern von einigen Pfadis. Auch Justyna Slovikow legte ihr Versprechen als neue Pfadfinderleiterin ab. Die anschließende Party mit Musik und Tanz wurde begleitet vom Championsleague-Finale, die Bayernfrage entzweite allerdings etwas. Der Abend endete für alle etwas später.

Die Zeit verging im Fluge. Der eine oder andere musste sich umziehen, weil er beim Balancieren auf der Slackline das Gleichgewicht verloren hatte und mit seinem Gewicht die Sicherungsleine etwas sehr belastet hat, so dass er nasse Füße oder sogar Beine hatte. Die 24 Kaulquappen haben ihre Sonderbehandlung in der Plastikschale doch nicht überlebt, aber die 789 034 Artgenossen im See haben es nicht bemerkt. Ein Handy, ein Fernglas und diverse Pfadfindermesser waren verschwunden, wurden aber durch verschiedene Suchaktionen wieder gefunden. Es fanden sich immer wieder freiwillige jugendliche Helfer für die Küche und auch einzelne Gruppen haben in Eigenregie zum Beispiel mit Kartoffelsuppe zum Speiseplan beigetragen. Das Küchenteam hat absolut hervorragend gekocht (nochmals unser Dank), und auch jeden Morgen mit geschmierten Brötchen, Müslispezialitäten und Kaffee den Start in den Tag erleichtert. Daher war die Abschlussrunde bestimmt von bedauernden Tönen des Abschieds, aber auch von der Freude über das Erlebte. Verbrannte Lippen vom heißen Tee, umgeknickte und nasse Füße, Zecken, Kratzer und quakende Frösche wurden mehr als aufgewogen vom Lob des Küchenteams und Begeisterung über das Gelände und das Erlebte.

Bernhard Felten